“In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes.”
(Andy Warhol)
Meine 15 Minuten waren 90 Sekunden lang und fanden am Samstag im “aktuellen Sportstudio” im ZDF statt. Und das kam so:
Als Junge vom Dorf, der im örtlichen Fußballverein spielt, hat man ja meistens nur einen Traum: die meisten Tore zu schießen in der Bundesliga zu spielen einmal ins “aktuelle Sportstudio” eingeladen zu werden. Nun lebte ich als Junge tatsächlich in einem kleinen Dorf und spielte dort auch im örtlichen Fußballverein. In der F-Jugend. Circa 14 Tage. Dann musste ich mir leider eingestehen, dass Fußball sicherlich ein interessanter Sport ist, aber auch einer, zu dem mir jegliches Talent fehlt.
In der Folge verließ ich diesen Sport auch recht schnell wieder und beschränkte mich auf´s gelegentliche “innerlich freuen”, wenn der kleine Lokalpatriot in mir belohnt wurde und der 1. FC Kaiserslautern einen Sieg holte. Unvergessen bleiben hier der 4:0 Sieg gegen den FC Bayern im Jahr 1994, sowie die Meisterschaft als Aufsteiger 1998. Doch so sehr ich bei internationalen Turnieren mitfieberte, so relativ gleichgültig wurde mir die Bundesliga. Ja mei, da rennen halt ein paar Sportler für viel Geld einem Ball hinterher.
Der Fußball und ich, wir lebten beide unsere Leben mehr nebeneinander her, als gemeinsam. Ich verweigerte ihm die Aufmerksamkeit und ging selten ins Stadion, er zahlte es mir heim, indem meine wenigen Stadionbesuche dann langweilige Spiele zeigten (z.B: das 0:0 beim Spiel 1.FCK gegen KSC… ein Spiel, so spannend wie die Apothekenumschau, gelesen von Rudolf Scharping). Heute bin ich, als gebürtiger Pfälzer, der seit sieben Jahren in Nürnberg lebt und weiterhin Sympathisant des FC St.Pauli ist, gleich drei Vereinen (wenn auch nur durch zarte Bande) verbunden, die es einem nicht leicht machen, gerne die Sportschau einzuschalten. Oder das “aktuelle Sportstudio”.
Letzteres werde ich nun definitiv öfter machen!

Ich war dort! Glaubste nicht? Ist aber so! Die Deutsche Akademie für Fußballkultur kürt jedes Jahr in einer großen Gala unter anderem den “Fußballerspruch des Jahres”. In diesem Jahr entschied sich die Akademie, die vier Finalisten unter den nominierten Sprüchen von vier Poetry Slammern präsentieren zu lassen und so hatten Paddi, Max Kennel, Kaddie Cutz und meine Wenigkeit die Ehre vor nationaler und internationaler Prominenz jeweils einen der Sprüche als Inspiration für ein eigenes Werk zu nutzen und somit zu vertreten. Meine Interpretation des Weidenfeller-Zitates stand ja schon hier.
Und jetzt, Freunde der Sonne, fängt das Unglaubliche erst an!
Der von mir präsentierte Spruch gewann die Wahl!
*Tusch*
Wir Poetry Slammer bekamen nach der Show eine Menge gutes Feedback!
*Tusch*
5 Tage später bekam ich eine Mail von der ZDF Sportredaktion!
*Tu… ähbittewas?!?
Richtig gelesen. Fortuna (die Göttin, nicht Düsseldorf!) hatte in dieser Woche ihre Spendierhosen an und fügte so hier und da ein paar Zufälle zusammen und so kam es, dass nicht nur Roman Weidenfeller an diesem Samstag zu Gast im Sportstudio war, sondern sich auch die wunderbare Katrin Müller-Hohenstein an diesen Poetry Slammer von der Gala erinnerte, was dazu führte, dass man entschied diesen jungen, sympathischen und (das muss auch mal gesagt werden) junggebliebenen in Würde ergrauten Mann zu fragen, ob er denn seinen Beitrag nicht erneut vortragen wolle – dieses Mal aber nicht vor 300 Leuten auf einer Gala, sondern vor 2,6 Millionen an den Fernsehgeräten.
So kam es, dass ich am vergangenen Samstag im Backstagebereich des ZDF Studio 3 auf dem Mainzer Lerchenberg saß und einen Puls von 480 hatte nervös war. Der Nil war eine Glasfaser gegen meine Halsschlagader und mein Herzschlag gab einen gleichmäßigen Sinuston von sich. Die gute Frau in der Maske hatte die Aufgabe meine vor Aufregung hellrot leuchteten Ohren zu schminken, was ihr zu meinem Glück recht gut gelang. Ich wurde zum Regisseur der Sendung gebracht, der mir den genauen Ablauf erklärte und mir sagte, wann ich wo zu stehen habe und wie ich das Studio am Ende wieder ohne Knochenbrüche verlassen kann. Ein Mitarbeiter vom Ton verkabelte mich und dann konnte ich auch schon einen Probedurchlauf meines Textes machen.
Tja, dann ging es auch schon fast los – die Sendung fing an! Vom Backstagebereich aus verfolgten wir alles an großen Bildschirmen und plötzlich wurde es ernst. Ich wurde zum Studioeingang gebracht und auf dem Weg dorthin erklärte man mir kurz, dass der Ablauf jetzt doch nochmal geändert worden sei. In diesem Moment wäre ich fast zusammenbgebrochen Kein Problem, dachte ich, alles halb so wild. Es kam wie es kommen musste:
Ich stand im Studio auf meinem Platz, wurde angekündigt, präsentierte meinen Text, übergab den Preis an Roman Weidenfeller und hatte einen riesen Spaß! Danach zurück im Aufenthaltsraum war mein Adrenalinpegel noch so hoch, dass ich kurz davor stand dem ZDF anzubieten, in Zukunft “Wetten, dass?!” zu moderieren… will ja scheinbar sonst keiner machen. Konnte ich vor meinem Auftritt vor Aufregung nichts von dem sehr guten Catering anrühren, so war nun meine Stunde gekommen und das war auch gut so! Freunde, wenn ihr mal die Gelegenheit habt – esst beim ZDF! Man saß noch eine kleine Weile zusammen, es wurden Fotos gemacht und Autogramme gegeben (von Weidenfeller, nicht von mir) und irgendwann machten wir uns dann auf den Rückweg zum Hotel.
Schlafen konnte ich in dieser Nacht aber nicht sehr viel… musste mir die Wiederholung der Sendung auf 3sat ansehen!
Ich bedanke mich für diese unglaubliche Erfahrung bei Frau Birgitt Glöckl und den äußerst tollen Mitarbeitern der Deutschen Akademie für Fußballkultur, weil sie den Mut aufgebracht haben, vier ihnen unbekannte Poetry Slammer mit unbekannten Texte auf ihrer Gala auftreten zu lassen. Weiterhin bei “der bezauberndsten Sportstudiomoderatorin vonne ganze Welt” Katrin Müller-Hohenstein für das Mut machen vor der Sendung (“Keine Sorge, Du wirst grandios sein!”) und dafür, dass sie mich dahin geholt hat. Mein Dank gilt den Leuten der ZDF Sportredaktion, besonders Frau Monika Thyen und Frau Annette Muth, die das Experiment “Dichter im Sportstudio” gewagt haben und unterstützt von zwei liebreizenden studentischen Hilfskräften perfekte Gastgeber waren. Ich bedanke mich bei Michael Jakob, der mich fragte, ob ich denn nicht auf der Gala mitmachen wolle (Er so: “Willste nicht bei so einem Fußballzitateslamdings mitmachen?” Ich so: “Ok!”) und bei Roman Weidenfeller, ohne dessen Zitat es nicht so weit gekommen wäre.
Mein eigentlicher Dank, gilt allerdings dem Reporter von Dubai TV, der Roman Weidenfeller den Spruch “I think we have a grandios Saison gespielt!” entlockt hat…
… übrigens nach einem Spiel gegen den Club…
… das dieser verlor…
… so wie an diesem Spieltag auch der FC. St.Pauli verlor – der aber wenigstens gegen den 1. FC Kaiserslautern.
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Und damit ihr mir auch glaubt, dass ich nicht nur als Zuschauer im Studio war:

