Shame on you!

Heute Vormittag hätte der Bundestag über das Betreuungsgeld abstimmen sollen. Diese als “Herdprämie” bezeichnete Scheiße ungünstige Idee, unserer Bundesfamilienministerin Köhler Schröder. Doch dazu kam es nicht.

SPD und Grüne hatten die Abstimmung via sogenanntem Hammelsprung beantragt und dabei stellte sich heraus, dass von den 620 Bundestagsabgeordneten nur 211 vor Ort waren. Zu wenig um beschlussfähig zu sein. Folgerichtig hat die Bundestagsvizepräsidentin die Plenarsitzung beendet.

So weit, so logisch.

Verlassen wir nun den Pfad der Logik und begeben uns auf den Weg des Alexander Dobrindt. Der ist CSU-Generalsekratär und als solcher von jeglichen Zwängen einer durch Menschenverstand eingeschränkten Realität befreit. Ich möchte ihn nicht einen Horst schimpfen, da er das bezogen auf seinen Chef (Seehofer) als Kompliment auffassen könnte, aber dieser Horstanswurst behauptet nach der Beendigung der Sitzung (Bezug nehmend auf die Tatsache, dass die SPD zusammen mit den Grünen die Abstimmungsform beantragt haben):

“Diese Feigheit der SPD ist eine Schande für die Demokratie.”

Ahja, so ist das also. Da findet eine Abstimmung zu einem Thema statt, dass nicht nur viele Menschen im Land betrifft, sondern sich in erster Linie um Kinder dreht. Ihr wisst schon, Kinder, “die Zukunft unseres Landes” und so. Und bei dieser Abstimmung fehlen dann große Teile der gewählten Abgeordneten. Keiner weiß wo die sind. Vielleicht werden sie als Geisel bei einem Banküberfall festgehalten? Oder liegen im Saunaclub keuchend unter der Uschi? Oder vielleicht auch einfach friedlich zu Hause im Bett mit einem Schmöker in der Hand und den Prinzessin Lillifee-Schlafanzug tragend, weil ja jetzt Wochenende ist.

Doch das ist alles nicht schlimm!

Die “Schande für die Demokratie” ist aber, dass das massive Fernbleiben von MdBs der SPD aufgefallen ist und sie es (wohl auch eher eigennützig) ausgenutzt hat und den Hammelsprung nutzte, um die Regierung vorzuführen. Ein politisches Manöver, keine Frage, aber völlig legitim.

Du, Herr Dobrindt, ich will Ihnen ja nicht zu nahe treten, aber ist es möglich, dass es Ihnen als Kind einmal zu oft in die Wiege geregnet hat? Ist die eigentliche Schande nicht, dass das gewählte Parlament gerade mal mit knapp einem Drittel der Volksvertreter anwesen war?

(Im Artikel von Spiegel Online, aus dem das oben genannte Zitat stammt, ist der entsprechende Satz mittlerweile entfernt. Und da ich nun auch nicht mehr daraus zitiere, hab ich ihn auch nicht verlinkt.)