Wow, da hat´s mich aber geschockt.
Am Wochenende musste ich zu meiner Verwunderung feststellen, dass sich unter den Leuten, die in meiner Facebook-Freundesliste stehen einige sind, die Karl-Theodor "Dr. str.c. strg.v" zu Guttenberg klasse finden. Diese Leute sagen dem Mann tatsächlich Eigenschaften wie "Charisma", "Weitsicht", "Format" und "Sozialkompetenz" nach. Festzustellen, dass bei vielen Menschen die ich für kritisch gehalten habe nicht angekommen ist, was für ein ganz und gar machtorientierter Mensch dieser Mann ist, …
… das hat mich erschreckt.
Ganz schnell zu widerlegen ist bei den genannten Attributen, die ihm zugesprochen werden, wohl "Weitsicht". Dass der Bundesverteidigungsminister nicht weitsichtig ist, konnte er schon kurz nach Amtsantritt zeigen. In einem Schnellschuss auf den Lucky Luke neidisch wäre, behauptete er in der Kunduz-Affäre, dass der Luftangriff auf die Benzintransporter (bei dem ca. 140 Menschen (je nach Quelle) getötet wurden) notwendig gewesen wäre. Kurz danach dann die 180° Kehrtwende und der Arschtritt für Schneiderhahn.
"Ja, aber der ist ja auch falsch informiert worden." hör ich die Groupies schreien.
AM ARSCH! Der ist Bundesverteidigungsminister und nicht Grundschulrektor. Er sollte sich denken können, dass man sich ausreichend informiert, bevor man in diesem Amt öffentlich Aussagen trifft, die nicht verifiziert sind. Außerdem ist er lange genug im Geschäft, um wissen zu können, dass man in der Politik von allen möglichen Leuten falsch informiert werden kann. Scheinbar hat Kollege Weitsicht doch nicht genug derselben gehabt. Sonst hätte er sich auch denken können, dass seine Dissertation später nochmal interessant werden könnte.
"Ja aber Charisma hat er schon."
Auch das liegt – wie ich finde – im Auge des Betrachters. Was manche Leute für Charisma halten, das würde ich als nichts weiter, als Blasiertheit bezeichnen. Hochmut. Arroganz. Die Art und Weise, wie er sich damals in New York vor den Kameras präsentiert hat war in meinen Augen der symbolische Stinkefinger an die Welt. "Guckt mich an, ich bin zu Guttenberg. Weltmann. Superpolitiker. Und ich hab gegelte Haare." Ja, damals war er noch Wirtschaftsminister, aber wo waren denn da seine Sorgen um die deutschen Soldaten, die in Afghanistan sterben? Oder kümmert man sich nur um Tote, wenn´s in Ressort passt? Sich vor den Medien zu inszenieren und wie King Big Dick aufzuführen wenn´s gut läuft und dann armwedelnd "Aber die Toten!" zu schreien, wenn mal auf die eigenen Fehler gezeigt wird, zeugt nicht von Charisma.
Dass "Format" und "Sozialkompetenz" Eigenschaften des Freiherrn sind, muss mir erst noch jemand beweisen.
Und bevor in den Kommentaren jetzt losgeprügelt wird, bitte ich mal den einen oder anderen der unten stehenden Links zu betrachten. Dies ist nur eine kleine Auswahl der Punkte, die mich zu meinem Bild von Herrn zu Guttenberg gebracht haben.
Links zum Thema:
Die Zeit: Guttenberg verhöhnt das Leistungsprinzip (Plagiat)
FAZ.net: Vgl. auch Guttenberg 2009 (Plagiat)
Süddeutsche Zeitung: Legenden, Lügen, Selbstverteidigung (Kundus-Affäre)
Zapp (NDR): Die peinliche Wahrheit über Wirtschaftsminister Guttenberg (Details zur Wirtschaftskompetenz)
Tagesschau: zu Guttenberg ist betroffen (Internetsperren)
Vor allem, dass er als Wirtschaftsminister meinte, sich in die Diskussion um Websperren einmischen zu müssen, hat ihn für mich unwähllbar gemacht. Das geschah – weist mir das Gegenteil nach – aufgrund des Engagements seiner Frau beim nicht unumstrittenen Verein "I. i. D." und war ganz schlechter Stil.
Verschissen, Graf von und zu aber ohne Doktor Gutti!