Wetten, dass?!

Mit Wetten ist es so eine Sache.

Ich bin kein Wettkönig. Dafür wette ich viel zu selten. Man muss dazu sagen, dass ich nur in zwei ganz genau festgelegten Situationen überhaupt zu einer Wette “Jo, geht klar!” sage.

Erstens: Da wären die Situationen, in denen ich absolut sicher bin, dass ich die Wette gewinne. Wenn also montags jemand zu mir sagt “Ich wette mit Dir um fünftausend Euro, dass morgen Mittwoch ist!”, dann wette ich gerne dagegen. Gerne auch jede Woche.

Zweitens: Eigentlich ist meine Bereitschaft zu wetten, aber noch um ein Vielfaches größer, wenn es der Wetteinsatz wert ist. Nicht im materiellen Wert, mehr so im unterhalterischen Wert. Durch diese Art der Wette kam ich schon in verschiedenste Unannehmlichkeiten und musste unter anderem 100 Euro geben (“Eine ganze Flasche Ketchup trinkst Du sicher nicht!”) oder bin in durchsichtigem Top und rosa Frotté-Hotpants um ein Seminarzentrum in Berchtesgaden gerannt (Billard spielen ist ein Arschloch, Anm.d.A.).

… jetzt gibt es eine neue Wette:

Ich muss im März mindestens 12 mal für mindestens 60 Minuten Sport machen! Außerdem müssen diese Termine so verteilt sein, dass mindestens zwei pro Woche dabei herauskommen.

Sollte ich das nicht packen, muss ich meine Arbeitskollegen zum Essen einladen, was mich an den Rande des Ruins treiben würde. Wenn ich es aber schaffe – und Freunde, mal ganz unter uns, DAS PACK ICH – dann werde nicht nur ich zum Essen eingeladen (Salat. Ohne Dressing. Und ohne Salat.), sondern mein geschätzter Kollege Malcolm (seines Zeichens oberkörpergestählte Sportskanone, ganz ähnlich Mister T.) wird sich einen Tag lang mit Iro ins Büro begeben (… was ihn dann komplett zu Mister T. machen würde).

Und DAS ist mehr Motivation als alles andere!

… seine Frau weiß noch nichts davon…

Manchmal

Manchmal packt dich die Lust auf ein Eis. Dann gehst du zum Kiosk und es ist dir völlig egal, dass du noch kein Mittagessen hattest und so sagst du zum Eisverkäufer "Zwei Kugel Schokolade und einmal Zitrone, bitte" und beantwortest seine anschließende Frage mit "Im Becher". Du genießt jeden Löffel, lässt sie langsam auf der Zunge zergehen und bist wie immer irritiert, wenn nach zu schnellem Essen, Dein linkes Augenlied anfängt unkontrolliert zu zucken.

Manchmal, da willst du Bäume ausreißen, Häuser einreißen, bist gut drauf oder schlecht drin, den Moment zu nutzen. Und dann ist er wer, der Moment, vorbei, endgültig gone und du stehst da und denkst dir "Ja Mist auch, warum hab ich nur den Arsch nicht hochbekommen?" Du willst die Antwort auf diese Frage, weil es dir immer so geht und du keinen Bock mehr darauf hast, und deshalb hakst nach, willst keine Ausflüchte gelten lassen, aber der Typ im Spiegel… der schweigt.

Manchmal stellst du Gesellschaftstheorien auf. Denkst dir Sachen wie "Die Welt ist ein Drecksloch. Für alle. Nur auf unterschiedlichem Niveau". Doch dann siehst du in der Straßenbahn, wie dieses alte Paar gegenüber, sie sind sicherlich beide schon um die Siebzig, Händchen hält. Wie sie sich anlächeln und man in ihren Augen sehen kann, dass hier beinahe noch zwei Teenager sitzen, die so verknallt sind wie es nur sein kann.

Manchmal wärst Du auch gerne ein alter, knorriger, miesepetriger, spießiger, Schimpf-Opa. Einer von der Sorte, die im Bus schimpfen, weil man nicht schnell genug für sie Platz macht, die an der Kasse schimpfen, weil man mit der netten Kassiererin noch kurz geflirtet hat und die Sätze sagen wie "Früher war alles besser" "Das hätt´s beim Führer nicht gegeben". Wenn du so ein Schimpf-Opa wärst, dann wär dir deine Umwelt egal, und du könnte mich ganz auf meinen Welthass konzentrieren, dich darin suhlen und dabei das Horst Wessel-Lied summen.

Manchmal liegst du nachts wach in deinem Bett und hast den Blick starr an die Decke gerichtet. Deine Gedanken sind weg, weit weg, auf Safari in Afrika oder zum Iglu bauen in Grönland. Deine Welt ist zu klein für dich, durch die Grenzen, die du dir selbst gezogen hast. Schwierig ist nicht durch die Welt zu wandern und deine Abenteuer zu bestehen. Schwierig ist der erste Schritt.

Manchmal kommt der Moment, an dem du deine Jacke nimmst, zur Tür gehst, das Licht löschst und raus aus der Wunschwelt, rein in die Realität trittst. In die Realität, in der vergangene Chance nicht wiederholbar sind, die Welt tatsächlich ein Drecksloch ist und Schimpf-Opas bald die Mehrheit stellen.

Manchmal reicht ein nettes Wort, eine Umarmung, ein Kuss und du sagst…

"Weiste was Realität? Mich schlägst Du nicht!"

On the road

Kurzfristig ist noch ein weiterer Auftritt hinzugekommen. Froide! Am Freitag kommende Woche werde ich zum ersten Mal die sicherlich wunderschöne Weltmetropole Künzelsau besuchen.

Kommt hin, habt Spaß!

Veröffentlicht unter Slam

Sympathisanten

Wow, da hat´s mich aber geschockt.

Am Wochenende musste ich zu meiner Verwunderung feststellen, dass sich unter den Leuten, die in meiner Facebook-Freundesliste stehen einige sind, die Karl-Theodor "Dr. str.c. strg.v" zu Guttenberg klasse finden. Diese Leute sagen dem Mann tatsächlich Eigenschaften wie "Charisma", "Weitsicht", "Format" und "Sozialkompetenz" nach. Festzustellen, dass bei vielen Menschen die ich für kritisch gehalten habe nicht angekommen ist, was für ein ganz und gar machtorientierter Mensch dieser Mann ist, …

… das hat mich erschreckt.

Ganz schnell zu widerlegen ist bei den genannten Attributen, die ihm zugesprochen werden,  wohl "Weitsicht". Dass der Bundesverteidigungsminister nicht weitsichtig ist, konnte er schon kurz nach Amtsantritt zeigen. In einem Schnellschuss auf den Lucky Luke neidisch wäre, behauptete er in der Kunduz-Affäre, dass der Luftangriff auf die Benzintransporter (bei dem ca. 140 Menschen (je nach Quelle) getötet wurden) notwendig gewesen wäre. Kurz danach dann die 180° Kehrtwende und der Arschtritt für Schneiderhahn

"Ja, aber der ist ja auch falsch informiert worden." hör ich die Groupies schreien. 

AM ARSCH! Der ist Bundesverteidigungsminister und nicht Grundschulrektor. Er sollte sich denken können, dass man sich ausreichend informiert, bevor man in diesem Amt öffentlich Aussagen trifft, die nicht verifiziert sind. Außerdem ist er lange genug im Geschäft, um wissen zu können, dass man in der Politik von allen möglichen Leuten falsch informiert werden kann. Scheinbar hat Kollege Weitsicht doch nicht genug derselben gehabt. Sonst hätte er sich auch denken können, dass seine Dissertation später nochmal interessant werden könnte.

"Ja aber Charisma hat er schon."

Auch das liegt – wie ich finde – im Auge des Betrachters. Was manche Leute für Charisma halten, das würde ich als nichts weiter, als Blasiertheit bezeichnen. Hochmut. Arroganz. Die Art und Weise, wie er sich damals in New York vor den Kameras präsentiert hat war in meinen Augen der symbolische Stinkefinger an die Welt. "Guckt mich an, ich bin zu Guttenberg. Weltmann. Superpolitiker. Und ich hab gegelte Haare." Ja, damals war er noch Wirtschaftsminister, aber wo waren denn da seine Sorgen um die deutschen Soldaten, die in Afghanistan sterben? Oder kümmert man sich nur um Tote, wenn´s in Ressort passt? Sich vor den Medien zu inszenieren und wie King Big Dick aufzuführen wenn´s gut läuft und dann armwedelnd "Aber die Toten!" zu schreien, wenn mal auf die eigenen Fehler gezeigt wird, zeugt nicht von Charisma.

Dass "Format" und "Sozialkompetenz" Eigenschaften des Freiherrn sind, muss mir erst noch jemand beweisen.

Und bevor in den Kommentaren jetzt losgeprügelt wird, bitte ich mal den einen oder anderen der unten stehenden Links zu betrachten. Dies ist nur eine kleine Auswahl der Punkte, die mich zu meinem Bild von Herrn zu Guttenberg gebracht haben.

Links zum Thema:
Die Zeit: Guttenberg verhöhnt das Leistungsprinzip (Plagiat)
FAZ.net: Vgl. auch Guttenberg 2009 (Plagiat)
Süddeutsche Zeitung: Legenden, Lügen, Selbstverteidigung (Kundus-Affäre)
Zapp (NDR): Die peinliche Wahrheit über Wirtschaftsminister Guttenberg (Details zur Wirtschaftskompetenz)
Tagesschau: zu Guttenberg ist betroffen (Internetsperren)

Vor allem, dass er als Wirtschaftsminister meinte, sich in die Diskussion um Websperren einmischen zu müssen, hat ihn für mich unwähllbar gemacht. Das geschah – weist mir das Gegenteil nach – aufgrund des Engagements seiner Frau beim nicht unumstrittenen Verein "I. i. D." und war ganz schlechter Stil.

Verschissen, Graf von und zu aber ohne Doktor Gutti!